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Was Echt-Leder von Kunstleder unterscheidet

Jacken, Schuhe, Taschen, Autositze, Sofas – es gibt heute kaum mehr Anwendungsbereiche, in denen herkömmliche Lederprodukte nicht auch in Kunstleder-Varianten erhältlich wären. Rein optisch sind sie teilweise von Echtleder-Erzeugnissen nur sehr schwer zu unterscheiden. In diesem Beitrag beleuchten wir, was die Vor-und Nachteile von Kunst- und Echtleder sind und wie ich Kunstleder von Echt-Leder unterscheiden kann.

Woraus besteht Kunstleder?

Da Leder ein teures Material ist, hat man schon vor Jahrzehnten damit begonnen, das Naturmaterial durch künstlich hergestellte Imitate zu ersetzen. Kunstleder werden seither in fast allen Bereichen, in denen Leder zum Einsatz kommt, verwendet. Die Kunstleder-Industrie hat inzwischen große Fortschritte gemacht, was die Haptik, Optik und Langlebigkeit des Materials anbelangt.

Kunstleder besteht aus einem beschichteten Gewebe. Grundgerüst ist ein Stoff aus Natur- oder Chemiefaser, die Deckschicht wird aus Kunststoff, oftmals Weich-PVC oder Polyurethan hergestellt. Damit sich der Kunststoff wie Leder anfühlt, werden häufig weitere chemische Stoffe wie Treibmittel zugesetzt.

Die Vor- und Nachteile von Kunstleder

Wer tierische Produkte aus ethischen Gründen strikt ablehnt, aber auf die Leder-Optik steht, findet in Kunstleder eine Alternative. Meist sind Kunstleder-Artikel auch preislich günstiger. Sie sind robust und lassen sich einfach pflegen, oftmals sogar in der Waschmaschine reinigen. Für den Taschen-Produzenten ist Kunstleder im Vergleich zu Echt-Leder leichter zu verarbeiten, da es sich einfacher zuschneiden lässt und der aufwändige Gerbprozess entfällt.

Die ökologischen Aspekte von Kunstleder

Nachteil von Kunstleder ist die Umweltbelastung durch die Herstellung und Entsorgung des Materials: Wie anderer Plastikmüll auch landet ausrangiertes, PVC-haltiges Kunstleder teilweise im Meer, wo es zersetzt in Kleinstpartikel von Tieren gefressen wird und so schließlich auch in die Nahrungskette des Menschen gelangt.

Detail einer Tasche aus Rauleder.

Die Vor- und Nachteile von Echtleder

Als ökologisch bedenklich werden auch die chemischen Substanzen angeführt, die beim Gerben verwendet werden. Leder-Experte Felix Dieckmann weist allerdings darauf hin, dass negative Auswirkungen durch die richtigen, umweltschonenden Gerbmethoden minimiert werden können und dass beim Gerben ein Abfallprodukt zu etwas Nützlichem verarbeitet wird. Sein Schluss: Die Welt hätte ein großes Abfallproblem, würde kein Leder hergestellt. Für die Herstellung von Leder kann jede tierische Haut verwendet werden. 95 Prozent aller weltweit verarbeiteten Häuten stammen laut Wikipedia von Rindern, Kälbern, Schafen, Ziegen und Schweinen – als Nebenprodukt der Lebensmittelindustrie.

Produkte aus Leder sind Unikate

Echtes Leder ist ein nachwachsender Rohstoff mit vielen positiven Eigenschaften: Es ist reißfester, belastbarer und abriebbeständiger als Kunstleder – und kann daher auch dünner verarbeitet werden. Echtes Leder ist angenehmer zu tragen, denn es ist atmungsaktiv und hygienisch unbedenklich. Weiteres Plus für die Ökobilanz: Eine Ledertasche überdauert Jahre und Jahrzehnte und kann dabei sogar noch schöner werden.

Für Freunde von handwerklich gefertigten Unikaten kommt ein wesentlicher Unterschied zu Kunstleder hinzu: Jedes Lederstück ist aufgrund seiner Farbe und seiner Vernarbungen einzigartig. Bei der Herstellung einer Tasche aus Echtleder werden die unterschiedlichen Stücke einer Tierhaut für die verschiedenen Teile und Funktionen der Tasche sorgfältig ausgewählt. Eine handwerklich gefertigte Ledertasche ist also immer etwas Besonderes.

 Drei Taschen aus unterschiedlichem Leder

Wie erkenne ich Echt-Leder?

  • Optik: Auf den ersten Blick ist Kunstleder kaum von Naturleder zu unterscheiden, besonders wenn das Leder deckend eingefärbt wurde. Selbst Einzelmaserungen und Vernarbungen können künstlich geprägt worden sein. Die Rückseite kann aber Aufschluss geben: Ist dort ein Gewebe zu erkennen? Sind an den Schnittkanten mehrere Schichten zu sehen? Dann handelt es sich garantiert um ein Leder-Imitat.
  • Haptik: Der Hautkontakt liefert gute Hinweise. Fühlt sich das Material weich und kühl an? Leder passt sich nicht so schnell der Umgebungstemperatur an und kann daher kühler sein. Vor allem bei Lederkleidung merkt man schnell den Unterschied: Das atmungsaktive Leder ist viel angenehmer zu tragen als Kunstleder.
  • Geruch: Leder hat diesen typischen Geruch. Doch ein eindeutiges Merkmal ist das nicht. Heute kann der Ledergeruch auch durch künstliche Aromen hergestellt werden. Verströmt ein Gegenstand aber einen Plastikgeruch, wird es sich kaum um Leder handeln. „Die sicherste Methode, um festzustellen, ob es sich um Echtleder handelt, ist die Feuerprobe“, sagt Dirk Jahn, Chef von Jahn-Lederwaren.de. „Wird Leder angekokelt, verströmt es denselben Geruch als ob man Haare verbrennt.“
  • Kennzeichen: Nun wird man seine neue Ledertasche nicht unbedingt anzünden wollen… Achten Sie auf die stilisierte Tierhaut mit dem Hinweis „Echtes Leder“. Sie hat sich als Kennzeichen durchgesetzt. (ele)

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